Ausstellung der Künsterinnengruppe Zusammenschluss für Raumfragen.
Linien stürzen in Plastikfolie. Überlagernd mischen sie neue Farben in den Spiegelungen der blubbernden Pfütze. Gut zu überblicken von oben. Dort sitzt es sich sicher, gebettet auf Schaumstoff. Seit 2018 sind die fünf Künstlerinnen Gala Goebel, Lucy König, Julia Miorin, Luise von Rohden und Paula Wolber eng vernetzt. Ausgehend von Atelierbesuchen und Arbeitsbesprechungen stellen sie gemeinsam aus.
Der Ausstellungstitel Knister Knister nimmt Bezug zur Materialität der Arbeiten, sowie dem imaginierten Geräusch, das entsteht, wenn sich Arbeiten, Gedanken oder Gefühle verknüpfen.
In der fotografischen Serie "im Regen stehen" von Gala Goebel erzählen die abgelichteten Regenschutzfolien von Kinderwagen, Buggys und Babyschalen über die aktuelle Situation von Eltern. Hier steht oft das Wohlergehen des Kindes so sehr im Vordergrund, dass die Eltern letztendlich im Regen stehen bleiben. Auch die Arbeitsreihe "5 Minuten Ruhe für..." thematisiert Elternschaft als Drahtseilakt. Die Entscheidung bleibt den Besucher*innen überlassen: Ist es ihnen wert, im Austausch von 5 Minuten Kinderbeschäftigung und 1,39 Euro, 10 Minuten Kosmetiktuchfetzen aus Sofaritzen herauszupulen?
Paula Wolbers Material sind Gegenstände aus dem Alltag. Sie orientiert sich am Kontext, in dem sich die Dinge für gewöhnlich aufhalten. Gewohnte Zuschreibungen werden seziert, verfremdet oder gebrochen. So entstehen kinetische Objekte, die etwas überwinden wollen. Ob das gelingt oder in einer drohenden Havarie endet, bleibt offen. Die mitunter humorvollen Arbeiten erinnern in ihrem subtilen Nebenbei an das Erleben eigener Schwierigkeiten.
Luise von Rohden malt und faltet. Ihre Bilder entstehen mit Pinsel, Tusche und Papier. Sie wiederholt Strichkombinationen bis sie sich zu Flächen verdichten. Wo sich zwei Pinselstriche überlappen oder schmale Lücken zwischeneinander lassen, bilden sich feine Linien. Rillen und Falten verweben sich mit den gemalten Linien. Licht und Schatten beeinflussen die Farbigkeit des gefalteten Papiers mit. Von Rohden folgt in jeder Bildreihe streng einem Prinzip der Strichführung. Durch das händische Arbeiten entstehen dennoch zahlreiche Variationen. Die Bilder changieren so zwischen der Ruhe präziser Wiederholung und der Bewegung minimaler Unregelmäßigkeiten.
Julia Miorins Alltag ist ihr künstlerisches Material. Die Dinge, das Mobiliar, die Gespräche, die Auseinandersetzungen, das haptische Erleben und die Gefühle. Manche Sachen bleiben eben hängen. Dann dürfen die sich auch noch mal äußern, sich im Kreis drehen oder neu verhandelt werden. Mitunter still, minimalistisch, materialverliebt, assoziativ, mit Ironie und Lust an der Reibung. Und während der Text uns Hinweise gibt, könnte nicht aus einem fremden Blickwinkel eigentlich auch alles ein kleines bisschen anders gewesen sein?
Die Werkreihe body shells wird aus Schnittmusterzeichnungen generiert. Lucy König fasst die technischen Musterformen in Nähmagazinen als abstrakte Zeichnungen des menschlichen Körpers auf, untersucht sie auf ihr plastisches Potential und extrahiert und multipliziert einzelne Fragmente. Diese werden gespiegelt, gedreht und neu zusammengesetzt. So ergeben sie neue Körper, die den ursprünglichen Funktionszusammenhängen enthoben sind. Eine formale Untersuchung wird zur Sammlung.
Eröffnung: 1. März 2025 | 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 2. März - 5. April 2025